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PREMIERE am 22. November 2017   | Kritik der SZ Online

Konstellationen

von Nick Payne

mit Helene Grass und Andreas Dobberkau

Regie: Anke Salzmann

Bühne: Anja Ackermann

Aufführungsrechte: Rowohlt Verlag Reinbek bei Hamburg
Aus dem Englischen von Corinna Brocher

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Eine Liebesgeschichte in Variationen, witzig und ergreifend.
Mit den Darstellern aus "Gut gegen Nordwind".

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Was verbindet die Quantenphysik mit der Imkerei? Die Liebe! 

Das Theaterstück "Konstellationen", für das sein Autor Nick Payne mit dem Evening Standard Best Play Award ausgezeichnet wurde, handelt von der Liebesgeschichte zwischen Marianne und Roland, sie Quantenphysikerin, er Imker. Payne erzählt sie nicht einmal, sondern dutzendfach: so wie sie hätte auch passieren können und wie noch und wie vielleicht auch ... 

Gibt es die Möglichkeit von parallel existierenden Wirklichkeiten, in denen wir so leben wie wir leben, nur ein bisschen anders? Die unendlich vielen Antworten auf die Frage "Was wäre gewesen, wenn..." nutzt der Autor, um ein spannendes Spiel jener Varianten zu entwickeln, indem er dasselbe Geschehen immer wieder anders erzählt, in den einzelnen Szenen zurückspringt und alternative Entwicklungen ausprobiert.

So führt er uns nicht nur in das Innere der anrührenden Beziehung der Beiden, sondern gleichzeitig zu der Frage: Wie soll man leben?


SZ Online schreiben am 25.11.2017:

Eine gute Konstellation

Die Darsteller aus „Gut gegen Nordwind“ brillieren bei der Premiere eines neuen Stücks. Anspruchsvoll und rührend.

Es ist ein unangenehmer Moment an diesem Abend, der Premiere des Nick-Payne–Stücks „Konstellationen“ auf dem Theaterkahn: Der Darstellerin Helene Grass stockt in der Rolle der Mary die Stimme, sie verhaspelt sich mehrfach, flucht – und im ersten Moment kommt allgemeine Fremdscham auf. Sie kehrt sich allerdings schon sehr bald in Bewunderung um.

Grass hatte nämlich keinen Blackout. Im Gegenteil: Es handelt sich um einen sehr glaubwürdig gespielten kognitiven Aussetzer, den Mary aufgrund eines Hirntumors hat. Die Leistung von Helene Grass und Andreas Dobberkau, die bereits in „Gut gegen Nordwind“ zusammen spielten, ist allerdings nicht nur deshalb beeindruckend.

Es ist ein Stück, das schon allein seiner bloßen Natur wegen nicht einfach zu spielen sein dürfte. Payne erzählt eine Geschichte zwischen Mann und Frau in etlichen Variationen. Beim Verändern der Parameter für die verschiedenen Konstellationen nutzt er allerdings kein ermittelbares Schema. Die Skala reicht von kleinen Änderungen, zum Beispiel an der Gesprächshaltung der Protagonisten, bis hin zu kompletten Alternativgeschehnissen. Wie bei einer hängenden Schallplatte wird wiederholt an den Anfang einer Szene zurückgesprungen, um diese dann alternativ zu gestalten. Dazu kommen Rückblenden und Zeitsprünge.

Das Ganze ohne Verirrungen darzustellen, erfordert eine enorme Konzentrationsleistung. Zumal Regisseurin Anke Salzmann ein enormes Tempo ansetzt. Sie scheut sich nicht, Paynes Wirrwarr aufzugreifen, versucht gar nicht erst, es zu ordnen und spult konsequent und schnell vor und zurück. Auf große Schnörkel wird verzichtet, stattdessen wird voll und ganz den Schauspielern vertraut.

Gute Entscheidung: Grass und Dobberkau sind versiert genug, nie die Spannung zu verlieren und aus der Szenenreihung einen wahren Rausch der Varianten zu zaubern, ohne bei diesem Höchsttempo gut platzierten Humor und Tiefsinn zu vergessen. Die gleichermaßen berührende, beklemmende wie befreiende Wirkung des Stückes wird auf diese Weise charmant herausgearbeitet.

Marcus Moeller | SZ Online vom 25.11.2017

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